Lesen Sie unsere georgisches Tagebuch (nur in
dänischer Sprache)
Georgien 14. -
24. Mai 2005.
"Willkommen im Märchenland"
hieß es in der Einladung der Knut Hamsun Gesellschaft in
Georgien, das Land das Hamsun so beeindruckte und
umgekehrt Hamsun hinterließ solche Spuren in Georgien.
Meine Neugierde wurde geweckt, was lies die Georgiern
Hamsun so lieben, dass eine Gesellschaft gegründet
wurde?
Vorsitzende ist Olga Zhgenti,
Kunsthistorikerin und Lektorin am Institut für Kunst in
Tiflis und Batumi. Die Gesellschaft wurde 2003 gegründet
und hat schon mehr als 100 Mitglieder, ins besondere
Autoren und Künstler. Auch viele junge Menschen sind
Mitglieder. Ich wurde sofort von deren Eifer und Anteilnahme überzeugt.
Olga Zhgenti
Hamsun in Kaukasien" lautet
der Titel eines drama-dokumentarischen Films, der gerade
von georgische Filmemacher aufgenommen wird. Der Film
basiert auf Hamsuns "Im Märchenland".
Regisseurin und Autorin des Manuskript ist die Vorsitzende der Hamsun
Gesellschaft in Kaukasien Olga Zhgenti. Sie ist mit dem
Metier bestens vertraut, da ihr Vater der berühmte
Suliko Zhgenti (1925-2000), Autor von mehr als 20 Filme,
war. Gefilmt wurde in Georgien, Azerbaijan und auf
Hamarøy, Norwegen. Ein Interview mit Leif Hamsun wurde
auch für den Film aufgenommen. Der Film hat bald
Weltpremiere in Tiflis. Die Hamsun Gesellschaft hat auch
Königin Tamara von deutsch ins georgische übersetzen
lassen und man hofft dir Rechte zum übersetzen und
herausgeben von alle Hamsuns Werke zu bekommen.
Aber wie kam es dazu, dass Hamsuns Name so mit Georgien
verbunden ist?
Gehen wir viele Jahre zurück, in 1898, da unternimmt
Hamsun mit seiner ersten Frau Bergljot eine lange Reise,
von der die in 1903 erschienenen Buch "Im
Märchenland. Erlebtes und Geträumtes aus
Kaukasien" erzählt.
Das Buch schließt mit diesen Wörtern, die direkt dem
Herzen ansprechen:
"Es ist spät am Nachmittag. Ich sitze am
offenen Fenster und sehe nackte Männer ihre Pferde zum
Wasser reiten, an's Ufer des Schwarzen Meeres hinab. Ihre
Gestalten heben sich dunkel gegen das blaue Meer ab. Und
die Sonne scheint noch immer auf die Ruinen von Tamaras
Burg, die aus dem struppigen Walde emporragt.
Morgen reisen wir wieder nach Baku und dann weiter gen
Osten. Und bald sind wir aus diesem Lande heraus. Aber
ich werde mich ewig zurücksehnen. Denn ich habe aus den
Fluten des Kur getrunken."

"...den Fluten des
Kur."
In voller Erwarten nahmen auch wir Kurs
gen das Märchenland, ein fremdes Land mit unbekannten
Menschen.
Merkwürdig, hier stehen wir in ein fremdes Land, unter
fremden Menschen und doch haben wir ein warmes Gefühl
von etwas Bekanntes und fühlen uns geborgen.
Durch den Nebel und mit regennasse Straßen bekamen wir
den ersten Eindrücke von Tiflis, der da liegt wie
gestreut über die Berge und den Fluß Kur wie Hamsun es
nannte, in georgisch heißt er Mtkvari.
Hamsuns Wörter kamen zu mir:
"Nun sehen wir Tiflis in weiter Ferne, wie
lauter Pünktchen, eine Welt für sich. Über der Stadt
lagert ein Nebel von Rauch. Das ist also Tiflis, die
Stadt, von der so viele russische Dichter geschrieben und
wo so viele der russischen Romane sich abspielen. Ich
fühle mich einen Augenblick ganz als Jüngling und
blicke verwundert in die Ferne und höre mein Herz
klopfen. Ich hatte dasselbe Gefühl, wie damals, als ich
zum ersten mal Georg Brandes hören sollte."
Seiten konnten geschrieben werden über unsere
Erlebnisse, Platz ist dafür leider nicht, Sie müssen
sich mit ein Paar Beispiele begnügen.

Richtige Männer!
Erwartungsvoll näherten wir uns das
ehemalige Hotel London, wo Hamsun wohnte in 1899. Jetzt
sind es Eigentumswohnungen. Ein Gedenktafel an der
Hauswand erinnert an seinem Besuche.
Das Gebäude ist schön und gepflegt von Außen, im
Treppenhaus konnte man die Größe vergangenen Zeiten
erahnen, große Gemälde mit maritime Motive waren noch
da, aber auch deutliche Zeichen des Verfalls und
fehlender Instandhaltung. Anders zu Hamsuns Zeiten. In
Hamsuns Beschreibung vor 106 Jahren ließt man folgendes:
"Mein Hotel, London, hatte einen Stern. Die
Stadt hat 160 000 Einwohner, doppelt so viele Männer als
Frauen. In der Stadt werden siebzig Sprachen gesprochen.
Die Durchschnittswärme im Sommer ist 21°, die
Durchschnittskälte im Winter 1 grad. Tiflis hat unter
römischer, persischer und türkischer Oberhoheit
gestanden und steht jetzt unter russischer. Seinen
Aufschwung in neuerer Zeit verdankt Tiflis seiner
günstigen Lage als Knotenpunkt des Handelsverkehrs vom
Kaspischen und Schwarzen Meer, vom armenischen Hochland
und von Rußland über den Kaukasus. Die Stadt hat ein
großartiges Museum, Theater, Kunstsammlung, botanischen
Garten, Festung."
Heute leben hier rund 1,3 Millionen Einwohner.
Der Park gegenüber liegt immer noch grün und einladend
wie eine Oase im Verkehrsfluß wie zu Hamsuns Zeiten, nur
die Menschen sind modern gekleidet und nun wimmelt es
dazu auch mit Frauen! Hamsun beschreibt:
"Dem Hotel gegenüber liegt ein großer Park,
und dahinein begebe ich mich, gehe quer hindurch und
komme auf der andere Seite wieder heraus. Die meisten
Leute, die ich sehe, gehen in kaukasischer Tracht mit
Waffen; einige gehen auch in europäischem Jakett mit
steifem Filzhut, die Offiziere tragen tscherkessische
Uniform. Frauen sieht man fast gar keine draußen."
 
Gedenktafel am Hotel London Das frühere
Hotel London (mit 2 Frauen!)
Höhepunkt für uns wurden die Treffen
mit den verschiedenen Mitgliedern der Hamsun
Gesellschaft, u.a. mit dem Künstler Otar Djaparidze, ein
sehr großer Hamsun Verehrer. Er wohnt fast im Museum,
man konnte seine Wohnung besichtigen wo seine Bilder und
die seines Vaters, Ucha Djaparidze, hängen. Olga
dolmetschte, die Künstler die wir trafen sprachen
ausschließlich georgisch und russisch und doch, jedes
mal hatten wir das Gefühl einander ohne Wörter zu
verstehen. Ich werde nie den Augenblick vergessen als er
uns den Familienschatz zeigte, den seinen Onkel gehört
hatte: ein signiertes Photo von Knut Hamsun, wo Hamsun in
1935 die Familie für einen liebenswürdigen Brief dankt.
Der Brief an Hamsun war in deutscher Sprache verfasst und
der Anfang lautete:
"Fast jeden Tag gehe ich an dem Hotel
"London" vorbei, in welchem Sie paar Tage
während Ihres Aufenthalts in Tiflis verbracht
habe......"
und der Brief schließt mit diesen schönen Wünschen:
"Leben Sie wohl, leben Sie lange, grosser Hamsun
und zu den Millionen derjenigen die Sie jetzt schätzen
und über Jahrhunderte hinweg schätzen werden, rechnen
Sie auch meinen Namen, den Namen Ihres treuen Verehrers
und Freundes in Georgien.
Mit Ungeduld werde ich auf irgend ein Zeichen warten,
dass Sie diesen Brief samt dem Buche erhalten habe.
USSR Kaukasus Tiflis. Gregor Djaparidze".
(Das mitgeschickte Buch war vom georgischen Dichter
Rustaveli). Wie wir sehen konnte, wurde seine Bitte
erhört und die Familie besitzt jetzt einen schönen
Gruß von Hamsun und was der bedeutet erahnt man wenn man
sieht wie liebevoll das Bild angefaßt wird, wie
zärtlich. Ich wusste, dass Hamsun seine Spuren bei den
Georgiern hinterlassen hat aber hier fange ich erst an
die Tiefe zu verstehen und wie gut die Georgiern Hamsuns
Persönlichkeit verstehen. Hamsuns Schreibweise ist
unmittelbar verständlich für denen, der Dichter Hamsun
hat den Ehrenplatz inne.
 
Otar Djaparidze und Ihre ergebene mit
Hamsuns Photo
Otar Djaparidzes Bild (oben) und sein Vaters (unten)
Im Atelier und in der Wohnung des
Künstlers Dimitri (Dima) Eristavi, auch ein großer
Hamsun Verehrer, der sofort einige Exemplare von Hamsuns
Bücher zeigt, deutlich das diese Bücher oft und gern
gelesen wurden. Über Kaffee und Eis, umgeben von seinen
wunderschönen Gemälde, und mit einen imposanten
Aussicht bekamen wir mit Olgas Hilfe ein gutes Gespräch
mit einem engagiertem Menschen, der mit künstlerischer
Sensitivität ein großes Verständnis über Hamsuns
Dichtung besaß. Es sollte sich heraus stellen, dass
diese unmittelbare und intensive Verständnis für
Hamsuns Wörter typisch waren für alle, die wir trafen.
Auf meine Frage, warum diese Begeisterung für einen
nordischen Künstler waren die Antworten immer:
"Weil er uns versteht!" Hamsuns Wörter haben
also ihre Wirkung nicht durch 2 Übersetzungen verloren
(norwegisch ins russische oder deutsche und dann ins
georgische).

In Dmitri Eristavis Atelier
Zusammen mit Olga waren wir beim Künstler und Bildhauer
Irakli Ochiauri in seinem Atelier eingeladen, ein Treffen
mit einem Hamsun Verehrer und einem großen
Persönlichkeit. Als er mein Hand nahm fragte er sofort
in Olgas Übersetzung: "Hamsun ist im Atelier,
findest Du ihn?" Und tatsächlich, er hat den jungen
Hamsun in ein Wandgemälde gemalt, unglaublich, hier
steht Hamsun zusammen mit allen georgischen nationalen
Helden. Wie tief die Liebe zu und Kenntnis über Hamsun
ist, darüber wundere ich mich jedes Mal und wird immer
wieder gerührt. Hier existiert ein Kenntnis über
Hamsuns spezielle Persönlichkeit, ein Verständnis der
weit über kulturelle Grenzen geht. Ich begreife hier
mehr Hamsuns Begabung, die Fähigkeit so unfassbare
Wörter zu finden, dass die direkt zum Herzen gehen und
zu Dir sprechen wo in der Welt Du wohnen mag. Über
Kaffee, Eis und Erdbeeren diskutierten wir eifrig über
Hamsun und die Welt und auch über den politischen
Hamsun, übrigens das einzige Mal wo darüber gesprochen
wurde. Aber wieder ohne Verurteilung, die Verständnis
war all-fassend. In seinem Katalog, den er uns schenkte
schrieb uns:
"Mit Liebe und Achtung für unsere Liebe zu
Hamsun".

Irakli Ochiauri und Knut Hamsun In Irakli
Ochiauris Atelier
Noch ein großes Erlebnis erwartete uns,
eine Einladung bei 2 Dichter, die auch im
"Künstlerhochhaus" wohnen. Wir werden nie
dieses unglaublich interessantes Gespräch vergessen, den
wir über Wodka und Schokolade mit dem berühmten Dichter
Otar Chiladze erlebten. Er ist jetzt zum zweiten Mal für
den Nobelpreis vorgeschlagen worden. Er und sein Bruder
Tamaz, der auch Dichter ist, sind beide Hamsun Verehrer.
Es war als schwemmten wir in eine Welt voll warme und
freundliche Wörter hinein, alles durch Olga vermittelt,
die deren Bewunderung für Hamsun übersetzte. Toasts
wurde getrunken und viele kluge Wörter gesagt. Ein
warmes Gefühl war in mir und ich vernahm, das die
Wörter über Hamsun mir erreichten noch bevor Olga sie
übersetzen konnte. Wir verließen die Brüder wie
betrunken, aber nicht wegen die 2 kleinen Wodkas die ich
getrunken hatte.

Literarische Diskussionen... und politische
Diskussionen
"Wasser aus den Fluten des Kur.
Und das war das schlimmste von allem. Weil wer vom Wasser
des Kur getrunken habe, wird sich nach Kaukasien immer
zurücksehnen..."
Eine Ausstellung mit dem berühmten Maler Edmund Gabriel
Kanandadze, zusammen mit Keti verbrachten wir schöne
Stunden beim beobachten und diskutieren, die Farben
leuchteten von den Leinwänden. Nachher waren Olga und
wir eingeladen ins Atelier von Edmund, ja, er wohnte auch
im Künstlerhochhaus! Wir wurden so herzlich von Edmund
empfangen und von seiner Tochter Tsira, die perfektes
Englisch sprach, so Olga wurde vom dolmetschen entlastet.
Es wurde unvergessliche Stunden. Wieder trafen wir ein
Künstler, der Hamsun sein ganzes Leben lang geliebt
hatte, ein Hand wurde hinter einige Gemälde gestreckt
und kam wieder hervor mit mehrere Hamsun Bücher. Über
Edmunds eigener Wein und das bekannte georgische mit
Käse gefülltes Brot lief das Gespräch lange und
ausgiebig, natürlich meistens über Hamsun. Meine
Kenntnisse über Hamsun werden jeden Tag erweitert, hier
bei Edmund wurde klar wie Hamsuns Wörter sich beim Leser
ins Bilder verwandeln. Es ist nicht einfach weiter zu
geben, aber wir werden jeden Tag erbaut oder ermutigt
wenn wir die Beschreibungen von den Gefühlen, die Hamsun
auslösen, antreffen. Edmund erzählte, dass Hamsun ihn
inspiriert hatte Künstler zu werden. Nein, er malte nie
Hamsun aber Hamsun ist in jedem seiner Bilder präsent,
dass er seit seiner Jugend gemalt habe. Edmund ist
zutiefst angetan vom Menschen Hamsun "der
Menschen so liebt, dass er es nie aushielte zu hören,
wenn es Menschen schlecht ginge". Edmund hatte
mehrmals Tränen in den Augen wenn er über Hamsun
sprach.

In Edmund Kalandadzes Atelier
Der Abend wurde verbracht bei einem
anderen berühmten Maler und Dichter Elgudsha
Berdsenischwili, der mitten in der Stadt mit seiner Frau
Natalia wohnte. Über türkischem Kaffee, Kuchen, Juice
und Erdbeeren hatten wir ein intensives und interessantes
Gespräch über Hamsun. Olga erzählte augenzwinkernd,
dass Edmund und Elgudsha sich stritten, wer von denen
Hamsun am meisten liebte. Natalia ist ein warmherzige
perfekt deutsch sprechende Dame, so Olga musste wieder
nicht dolmetschen. Natalia übersetzt zur Zeit Königin
Tamara von der deutschen Erstausgabe ins georgische,
leider ist Keiner in der Lage direkt aus dem norwegischen
zu übersetzen. Elgudsha, ein farbenfroher und
prächtiger Persönlichkeit, saß lange und überlegte
welcher Inschrift er in seinen Katalog an uns schreiben
konnte und er schrieb: "Wir lieben Hamsun und
das bedeutet, dass wir das Leben und die Menschen
lieben."
Nie bin ich so viele liebende und warme Wörter
über Hamsun begegnet, ich war ja schon sehr lange von
Hamsun fasziniert, aber ihn in Georgien zu treffen macht
die Faszination noch tiefer.

Bei Elgudsha Berdsenischwili zu Hause
Georgien, das Land das so viele Spuren
bei Hamsun hinterlassen hat und nun bei uns. Wir werden
nie die Wärme und Gastfreundlichkeit vergessen mit der
wir überall begegnet wurde - ins besondere bei Olgas
Familie.
Nein, wir tranken nicht aus den Fluten des Kur, es wäre
wohl gesundheitsschädlich, aber wir tranken Königin
Tamara Champagner am letzten Abend und versprachen wieder
zu kommen ins Märchenland.

Leila, Keti und Olga Zhgenti sowie Ihre
ergebene
Lesen Sie unsere georgisches Tagebuch (nur in
dänischer Sprache)
(Alle Zitate aus Hamsuns
"Im Märchenland" sind aus der deutschen
Erstausgabe vom 1903 im Albert Langen Verlag)
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