Hamsun Tage in Grimstad und Dichter Tage in Lom 2003. Willkommen zu den Hamsun und Ibsen Tagen in Grimstad vom 14. - 17. August, so hieß es in der Einladung von Ola Veigaard. Eine hervorragende Idee, ich sah sofort die beiden Giganten vor mir: Der Eine steif und wortlos in der ersten Reihe während der Andere vom Rednerpult seinem Urteil über die herrschende Literatur des Jahres 1891 verkündet: "Was ich Ibsen buchstäblich anhängen werde, ist dieses, dass er, der unter unseren Autoren am wenigsten Pädagoge und am wenigsten Demokrat sei, trotzdem sich nicht über Andere als überzeugender Psychologe erhebt". In "Mysterien" kann Hamsun sich auch nicht verkneifen zu sagen: "In Vergleich mit Bjørnsons zum Beispiel ist Ibsens Dichtung das pure mechanische Amtsschimmelei. Ibsens Verse besteht darin, dass Reim auf Reim trifft mit einem Knall, die meisten seiner Schauspiele sind dramatisierte Holzmasse". Jetzt sind die Zwei in einer Veranstaltung vereint, was für eine Idee, ob wohl nicht die Beiden von ihren Wolken alles mit verfolgen wolle?
Mit Schmetterlings-Erwahrtungs-Gefühle im Bauch fuhr
ich Richtung Grimstad. Jedes Mal denkt man: nein, so gut
wie letztes Mal kann es nicht werden und dann endet man
trotzdem mit dem Gefühl etwas wertvolles geschenkt
bekommen zu haben. All die interessanten Leute, die ich
in Norwegen kenne, die exzellenten Referenten, die Hamsun
Familie, schönes Norwegen unter der Sommersonne, man
konnte beliebig weiter auflisten aber Sie haben sicher
verstanden: es war wieder ein phantastisches Erlebnis,
von den ich versuchen werde ein Paar Kleinigkeiten zu
erzählen.
Ich war eingeladen bei Marianne Hamsun in "Sørvika" zu wohnen, ein außergewöhnlicher und warmer Mensch, dessen Freundschaft ich nicht missen würde. Es wurden viele gute Gespräche über das Leben, die Natur, die Kunst und Knut Hamsun geführt, sowie Gesellschaft bei den Veranstaltungen die Marianne auch besuchten.
Der Anfang der Hamsun und Ibsen Tage brachte mich nach
hübsche Arendal, wo ich noch nie war, in das schöne
neue Bibliothek, in einem proppevollen Saal, wo ein gut
aufgelegter Øystein Rottem über Hamsun und Triumph der
Phantasie erzählte, wir wurden mit in die dichterische
Phantasie Hamsuns geführt, ein Hamsun der nie aufhört
zu faszinieren. Auf den Flügeln der Phantasie flogen wir
dann zum nächsten Referenten Nils Magne Knutsen der uns
mit Verstand und Charme auf eine Reise zusammen mit
Hamsun nahm in die verzauberte Nordnorwegische Sprache.
In dem ehemaligen Gerichtssaal wo Hamsun 1947
verurteilt wurde, das jetzige Kinderbibliothek Grimstads,
präsentierte Lars Frode Larsen seinen Band mit Hamsuns
Gedichte "En fløjte lød i mit blod"
(Eine Flöte klang in meinem Blut). Einige der Gedichte
waren noch nie veröffentlicht und andere nur in
Auszügen. Wie Larsen sagte, dieses Buch ist einer
Hommage an Hamsun, ein Gemisch von Gedichten, einige
ausgezeichnete andere nur amüsante, alle tragen sie bei
einem Bild von einem Dichter mit Augenzwinkern zu
zeichnen. Dieses Buch habe ich natürlich mit nach Hause
mit einer nette persönliche Widmung von L.F. Larsen.
Abends im Kulturhaus: Sverre Anker Ousdal erzählte unglaublich lebhaft über die Arbeit eines Schauspielers mit sich selbst und mit Ibsen und gab zum Schluß zusammen mit Kjersti Holmen die bekannte Szene aus "Brand". Ghita Nørby als Marie Hamsun: nachdem wir ein Paar Szenen aus dem Film gesehen hatten, erzählte Ghita warm und engagiert über ihr treffen mit "Marie" so dass sich Marie fast vor unsere Augen erschien. Ghita hatte während die Studien, die den Film vorausging eine Zärtlichkeit gegenüber Marie entwickelt und dafür gesorgt das "Regnbuen" (Der Regenbogen) in Dänemark wieder herausgegeben wurde mit ihr eigenes Vorwort. Ghita Nørby lag es mehr Marie zu verstehen als sie zu verurteilen. Der Dänische Schauspieler Joen Bille, Urenkel von Ibsen und Bjørnson agierte als Interviewer. Ghita erzählte von ihrem ersten Treffen mit Tore Hamsun, der ihr beide Arme ausbreitete und sagte: "Du siehst aus wie sie!" Marie Hamsun war noch tief in meinen Gedanken als wir uns ein Paar Hundert Meter weiter zu Apotekergården (Die alte Apotheke) begaben, wo Henry Notaker während des Aperitifs uns ein Übersicht über insbesondere Getränke aber auch Essen in Hamsuns Werke. Der Abend endete mit einem superben Diner und Weine, die Stimmung und die Debatten waren wieder hervorragend, so es war spät, bevor wir unseren Betten aufsuchen konnten, es gab ja immer wieder noch etwas zu besprechen.
Der erste Vortrag am nächsten Tag wurde ein ganz besonderes Erlebnis wie auch Bjørn Hemmer in seiner Einführung sagte, Joen Bille spielte Hamsuns literarischen Vortrag vom 1891, wo Hamsun frech und unbefangen de Vier Großen "ermordet" und die ganze Literatur des goldenen Zeitalters abserviert. Laut Augenzeugen saß Ibsen regungslos in der ersten Reihe, während Hamsun seine Dichtung kritisierte. Ein großes Erlebnis wie Ibsens und Bjørnsons Urenkel Hamsun mimt. "Was ist "Die Frau aus dem Meer"? Ich weiß es nicht, ich weiß es gar nicht, weil die Frau aus dem Meer spricht so gottvoll tiefgründig. - Nein es ist ein Buch für Deutsche. Es ist ein Buch für Völker, die gewohnt sind Tiefsinnigkeiten zu lesen. Ibsen hat ein Buch geschrieben. Das reicht". Viel Lob dem Komittee für diese geniale Idee und an Joen Bille für das Mitmachen.
Ingar Sletten Kolloen stand als Nächster im Programm, er gab Kostproben aus seiner bald erscheinende Biografie, wie immer poetisch und hübsch. Da wir in Grimstad waren, ließ er von der Zeit, wo Hamsun Nørholm kaufte. Wir wurden belehrt, dass man völlig talentlos wäre, wenn man nicht spannend über Hamsun schreiben konnte und auch dass was er schrieb nicht "Die Wahrheit" sei sondern seine Interpretation des Geschehens aber dass die Biografie wahrheitssuchend war und das finde ich einsichtig. Selbst während ein informelles Essen im Apotekergården schafften Unn Conradi Andersen, Marianne Hamsun und ich es nicht Ingar S. Kolloen zu bewegen ein Paar Neuigkeiten aus dem Buch, das ja erst am 4. September in Oslo erscheint, zu lüften.
Dann war Ausflug angesagt, im schönsten Sommerwetter kamen wir mit Bus und Schiff auf Kvaløy an, wo wir ein Vortrag über das Lotsen Wesen von Per Hillesund sachlich und kompetent serviert bekamen, während wir Kaffee und Waffeln, von den Inselbewohnern zubereitet, genossen. Was für eine Stimmung, ein Gewimmel von Menschen, laut Zeitungsbericht etwa 900.
Der Höhepunkt war Ghita Nørby die Terje Vigen so
ließ, dass wir (Ghita inklusive) zu Tränen gerührt
waren. Stellen Sie sich vor: ein gekentertes Beiboot am
Strand, ein Mikrofon und Ghita Nørby in ein hübsches
blaues Kleid, alle Zuhörer sitzend wie auf einem
Vogelfelsen jedes Stein und jede Scholle besetzend von
der Wasserkante den Felswand hinauf, Sonne und 900
Menschen die eindrucksvollen Zeilen Henrik Ibsens über
Terje Vigen lauschend, wenn man da nicht ergriffen
wird...
Voll von Eindrücken genossen wir die Bootsfahrt zurück nach Grimstad und für uns endete der Abend damit, dass Lars Roar Langslet und Even Arntzen mit zu Marianne kamen zum Plaudern, Wein und Krabben. Was für ein Tag! Jetzt war die Stunde des Abschiedes gekommen, Øystein Rottem kam nach "Sørvika" und hatte Mittagessen zusammen mit Marianne und mir, ein guten Abschluss meines Norwegen Besuches. Das letzte Programmpunkt, die Enthüllung von Nygårds Hamsun Plastik am Landvik Aldershjem mit Inge Eidsvåg, bekam ich leider nicht mit. Nochmals großen Dank an Ola Veigaard, alle in den Hamsun und Ibsen Gesellschaften, insbesondere alle die herzlichen Menschen die ich begegnete, die uns alle schöne Erlebnisse und Erinnerungen schenkten und in uns das Bedürfnis wieder erweckte uns mit den Büchern und Schauspiele der beiden Schriftsteller zu befassen. Ja, ich meine auch Ibsen, ich mag seine Schauspiele gerne, die werden oft hier in Karlsruhe aufgeführt. Ich werde oft gefragt ob es immer noch etwas Neues über Hamsun zu hören gibt. JA, jedes mal wird man ein bisschen einsichtiger und fühlt sich bereichert, was will man mehr? Mit der Norwegische Sprache in den Ohren ging es dann in mein kleines gelbes "Nagel" Auto Richtung Karlsruhe, wo Gert geduldig alle meine begeisterten Berichte anhören mußte.
Dichter Tage in Lom 7 - 10 August: Ja, eigentlich sollte mein Bericht hier anfangen da ich zuerst in Lom war und dann in Grimstad, aber als i-Tüpfelchen hier etwas über meine Erlebnisse in Lom. Bei diesem Literatur Seminar ging es nicht um Hamsun sondern um Tor Jonsson, Olav Aukrust, Ragnvald Skrede, Halldis Moren Vesaas und vieles mehr, hervorragend geleitet vom Vorsitzender der Tor Jonsson Gesellschaft Steinar Hansson, der selber ein interessanten Vortrag über Tor Jonsson hielt. Interessieren Sie sich für Literatur sind die Dichter Tage sehr empfehlenswert, wo vieles geboten wird für Körper und Seele: Theater, Musik, Ausstellungen. Ich bin bestimmt wieder beim nächsten Seminar in 2 Jahren dabei. Etwas Hamsun gab es trotzdem, Toril und Leif Hamsun waren auch nach schönen Lom gekommen und genossen wie ich die beispiellose Gastfreundschaft der Lom Leute, insbesondere ein denkwürdiger Abend bei Torunn Kjøk: gutes Essen und Wein, Knut Kjøks wunderschöne Norwegische Folklore gemischt mit Gespräche über das Leben, viele warme Gedanken wurde an Knut Hamsun geschickt, ohne seine Werke hatten wir uns wohl nie getroffen.
Ein nächtliches Bücherbad mit Ingolf Håkon Teigen als Moderator. Autoren mit neuen Büchern wurden präsentiert u.a. Torhild Brække, Leif Ramslie und Ingar Sletten Kolloen, der geschickt vermied Geheimnisse aus seine Hamsun Biografie zu lüften, nein wir mußten uns noch gedulden, obwohl etwas ja zur Presse durchgesichert war. Wir waren alle betroffen vom vorgetragenen Abschnitt, unglaublich poetisch. Der Höhepunkt war eine Gedächtnis Stunde am Hamsun stugaen in Garmo, die Sonne schien, die Besucher machten es sich gemütlich um das kleine Gebäude herum, unglaublich das es damals Platz für eine ganze Familie bot. Per Eiliv Nyrnes herzliche Willkommen sowie das Gedicht "In 100 Jahren ist Alles vergessen" vermischte sich mit Knut Kjøks wunderschöne Töne in die Norwegischen Landschaft. Leif Hamsun legte einen hübschen herbstlichen Strauß am Knut Hamsun Gedenkstein nieder und sprach persönliche und stimmungsvolle Wörter über seinem Großvater. Zum Abschluss lies Ingar S. Kolloen aus seiner neue Biografie, selbstverständlich das Abschnitt über Hamsuns ersten Lebensjahre auf Garmo. Was für eine Stimmung, saß ich wirklich hier mitten im schönen Norwegischen Natur zusammen mit engagierten Hamsun Freunde, eine Stimmung die anhielt durch den Abschied mit Garmo und alle Bekannten und weit Richtung Süden gegen Asker und Grimstad.
"Og løvet gulner end mere, det lier mot høsten, det er kommet nogen flere stjærner på himlen og månen ser fra nu av ut som en skygge av sølv som er dyppet i guld. Det var ingen kulde, ingenting, bare en sval stilhet og et strømmende liv i skogen. Hvert træ stod og tænkte. Bærrene var modne." Knut Hamsun ( Pan).
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| © Kirsten Hedvig Rasmussen | www.hamsun.at | |