IBSEN- und
HAMSUN-DAGE in GRIMSTAD: 9 - 13 AUGUST 2006

´Was ist "Die Frau vom
Meer"? Ich weiß es nicht, ich weiß es gar nicht;
weil die Frau vom Meer spricht so gottvoll
Tiefgründiges. - Nein, das ist ein Buch für
Deutsche.´, schreibt Hamsun über Ibsen in seinem
Vortrag "Norwegischer Literatur". Ibsen selbst
schreibt nie etwas über Hamsun, das hätte interessant
werden können! Es ist mittlerweile ein guter Tradition
geworden, dass die zwei Giganten der norwegischen
Literatur auf einander treffen in einer spannender
Veranstaltung und ob nicht die zwei auf je seine Wolke
sitzen und sich einigen: Ja, da gibt es Platz für uns
beide! Wieder luden Ibseniana und die
Hamsun-Gesellschaft in Grimstad zu einem reichen und
spannenden Programm ein, in diesem Jahr mit Schwerpunkt
Ibsen anläßlich seines 100 jährliche Todestages.
Immer noch mit den frischen
Eindrücken aus Hamarøy im Kopf und nachdem ich meinen
Reisebegleiter mit dem Flug nach Hause geschickt hat, kam
ich in Grimstad an - diese hübsche Stadt ganz in Süden
Norwegens nahm mich entgegen mit Sonne und bunten
Touristen. Ja, Grimstad ist wie Hamarøy, beide
für mich Höhepunkte in Festival-Norwegen.
Hotel Norlandia wurde nun mein Basislager für die
nächsten Tage, erwartungsvoll machte ich eine Runde in
Grimstad, gute Freunde tauchen ein nach dem anderen auf
und erhellen die Tage. Ein Rundgang im neu-renovierten
Ibsen-Museum stand oben in meinem Programm und ich ging
voll Erwartung über die neu gelegten Pflastersteine
Richtung die neue Eingangstür. Ein Ibsen Café und Laden
gegenüber dem Museum lud mit Angebote für Körper und
Seele ein. Schon am Eingang zur Museum wurde die
Phantasie zurück versetzt nach 1843 da Ibsen als junger
Mann herkam und die nächsten 6 Jahre Pulver und Salben
mischte während er davon träumte Dichter zu werden und
in seinen freien Stunden sein erstes Schauspiel
"Catilina" schrieb. "Dichten - das ist
Jüngstes Gericht über sich selbst zu halten."
Henrik Ibsen. Während meinen Rundgang in dem
spannenden Museum, wünschte ich mich danach ins Hamsun
Museum gehen zu können - ich hoffe, dass dieser Wunsch
bald in Erfüllung geht!

Das Ibsen Museum Jon Fløjstad im Norwegischen
Gartenbaumuseum
Ich blieb in Ibsens Welt und fuhr nach Dømmesmoen, wo
Jon Fløjstad lebhaft und fesselnd über den Lehrjungen
Ibsen in der Apotheke und die Mythen über seinen
Gebrauch von Kräutern referierte. Der Titel lautete
"Ibsens Johannisbeere und anderes Gebüsch".
Hier wurde die Mythe verworfen, dass Ibsen in der Gegend
ständig Kräuter sammelte. Das Sammeln von Kräutern war
von königlichen Verordnungen streng geregelt und
Kräuter mussten in Kopenhagen oder Hamburg gekauft
werden. Ein ganz neuer Aspekt für mich und sehr
interessant. Aber der Tag hatte noch mehr Ibsen
Erlebnisse zu bieten.
Die Abend Veranstaltung fand im Rathaus statt:
"Wiesenblumen und Topfpflanzen", ja so hieß
der Titel wirklich. Ein Konzert mit Bodil Arnesen,
Gesang, Ola B. Johannesen, Rezitation, und Erling
Eriksen, Begleitung, wunderschöne und stimmungsvolle
Musik von Edvard Grieg und Texte von Henrik Ibsen. Hier
bekamen wir auch "Terje Vigen", eine
Geschickte, die mir jedes Mal tief berührt. Ein
hervorragender Anfang spannender Tage.
"Wiesenblumen und
Topfpflanzen" Segen der Erde, der Restaurant in Hotel
Norlandia
Ein bisschen Schlaf bekam ich, aber im Nachbarzimmer
litt jemand von chronischen Husten und ich litt mit!!
Frühstück mit Nils Magne Knutsen, wir hatten ein sehr
gemütliches Gespräch. Der Name der Speisesaal
"Segen der Erde", dann ist man bereit für
Hamsun Erlebnisse, ja auch für Ibsen natürlich. Der Tag
wurde mit guten Freunden in Grimstad verbracht,
Vormittagskaffee bei Reidar Marmøy, Fischfrikadellen bei
Ola Veigaard, einen Besuch in der Buchhandlung und bei
der Zeitung, dann Abholung von Nils Magne Knutsen, der
fleißig für das Spektakel "Erotik und Liebe"
übt, wo er am Freitag mit Anneke von der Lippe und Sven
Nordin auftreten sollte. Nils Magne wollte auch den
Hamsun Bauta in Tjore sehen. Ola Veigaard kam auch und
erzählte die Geschickte der Aufstellung des Steins. Man
wird ein besonderes Gefühl wahr hier auf historischem
Boden. Auf dem Bauta befindet sich eine Plakette mit den
schönen Zitat aus "Auf Überwachsenen Pfaden":
"Wir sind alle auf eine Reise zu ein Land, wo
wir früh genug ankommen. Wir sind nicht im Eile, wir
nehmen die Zufälle mit auf den Weg."

Ola Veigaard und Nils Magne Knutsen
Dann ein kurzer Besuch am Nørholm und der
Dichterhütte und dann zurück zum Hotel..
"Nagel" lamentiert etwas, es knarrt im Lenkrad
wenn wir abbiegen, aber laut ein kompetenter Mechaniker
ist es nur wegen der Hitze! Eigentlich ist Nagel nicht
alt, aber er hat immerhin 150.000 Km auf den Buckel.
Es ist Tradition in Grimstad, dass wir einen Ibsen Stück
zu sehen bekommen , aber diesmal wurde es ein besonderes
Erlebnis: TanGhost. Mit großer Vorfreude gingen wir in
bester Laune ins Kulturhaus und sahen Ibsens
"Gespenster" in einer neue und moderne Ausgabe
mit Tanz, Musik und Video Performance. Es wurde ein
hervorragendes Erlebnis, Ibsens scharfe Texte zusammen
geknüpft von Tango, der in Form und Inhalt die
unterschiedlichen Stimmungen des Stückes widerspiegelte.
Das Publikum war aus dem Häuschen. In der Zeitung
Grimstad Adressetidende schrieb Karin Engh in der
Rezension: Selv "Sfinxen" ville dradd på
smilebåndet og gitt sin velfortjente applaus til den
moderne versjonen av Gjengangere. TanGhost var en magisk
forestilling, en nær fullsatt Catilina holdt pusten i
halvannen time." (Selbst der "Spinx"
würde hier lächeln und seinen wohlverdienten Applaus an
diesem modernen Ausgabe von Gespenster spenden. TanGhost
war eine magische Aufführung, ein voll belegten Catilina
hielt den Atem Anderthalb Stunden an.)

Das TanGhost Ensemble Marianne und Ann Christine Hamsun
Der Abend endete in Grimstad Hotel mit ein bisschen
Essen und Gespräche, ich sprach mit der Schauspielerin
Hanne Dieserud, die erzählen konnte dass ihr Mann den
Nagel spielte in der Produktion des Norwegischen
Fernsehens, NRK, in 1996.
Ich schlief besser, der Nachbar mit dem Husten war
abgereist.
Nach dem Frühstück und Gespräche mit Kirsten und
Bjørn Hemmer und mit Nils Magne Knutsen fuhr ich in die
Stadt, wo ich umher trollte bis 12 Uhr und die nächste
Vorstellung: "Mittagessen mit Henrik und
Suzannah" im Apothekengarten, wo die Sonne durch das
gelbe Sonnendach schien und alles ein verzauberten
Schimmer verlieh. Aber bevor "Henrik und
Suzannah" zu Wort kamen, wurde zum ersten Male der
Ibsen/ Hamsun Preis verliehen, dotiert auf 50.000 NOK. In
diesem Jahr ging der Preis an einem Ibsen orientiertes
Projekt und ein glücklicher Bjørn Hemmer war der
wohlverdiente Empfänger für sein großes Engagement,
und in Hamsun Fragen ist er sogar auch aktiv.
"Ibsens Frauengestalten im richtigen Leben und in
der Literatur". Ein Gespräch zwischen Astrid
Sæther und Ivo de Figueiredo mit Oddbjørn Johannessen
als Moderator, schön eingerahmt von Ibsens Texte
vorgetragen von Hanne Diserud.

Bürgermeister Svein Harberg und
Bjørn Hemmer
Oddbjørn Johannesen und Astrid Sæther 
Nach dem Mittagessen, der etwas für den Gaumen und
für die Seele bot, da der Apotekergården einen Salat
servierte, da wartete schon die nächste Veranstaltung
auf uns, Hamsun auf Dømmesmoen. Ola Veigaard hieß
Willkommen, wonach Nils Magne Knutsen uns mit auf eine
Reise nahm, in Gedanken nach Nordland "Der lange Weg
nach Hause - Knut Hamsun und Hamarøy". Hamsun
hätte nicht so schreiben können, hätte er nicht
Sehnsucht nach Nordland und seine Kindheit gehabt. Ich
hatte gerade diesen hervorragenden Vortrag die Woche
vorher in Hamarøy gehört, aber ich konnte es immer
wieder hören, es wurde ständig mit andere Nuancen
gewürzt da es jetzt in Südnorwegen gehalten wurde!
Gleichzeitig stellte er sein neues Buch vor "Knut
Hamsun und Nordland - Der lange Weg nach Hause." Das
Buch ist wärmstes empfohlen und nach dem Vortrag war
Nils Magne sehr beschäftigt Widmungen in den Verkauften
Büchern zu schreiben.

Ola Veigaard Nils Magne Knutsen
Nach den Wörtern von Nils Magne gingen wir in ein
anderes Gebäude auf Dømmesmoen, das Norwegische
Gartenbaumuseum, wo es brechend voll war, aber ein
Stehplatz gibt es ja immer. Kjell Stormoen ließ aus
"Auf Überwachsenen Pfaden". Egal wie gut man
den Text kennt, wir werden immer von Stormoen verzaubert.
Aber noch ein Höhepunkt wartete auf uns, ein Vortrag von
Inge Eidsvåg über "Segen der Erde". "Oh,
der Geissler war ein undurchschaubarer Herr, er konnte
agieren oder auch nicht, seinen Kopf zum Nein schütteln
oder ein Ja nicken. Er konnte ein Dorf wieder zum
lächeln bringen." Auch Inge Eidsvåg sieht wie
ich Geissler als Hamsuns Alter Ego, obwohl ein bisschen
Hamsun findet man in jeder Figur, die er beschreibt.
Danach wurde die Ausstellung "Knut Hamsun als
Bauer" eröffnet, etwas worauf ich mich gefreut
hatte, aber wegen den vielen Menschen und mit nur 10
Minuten bis zur Enthüllung der Terje Vigen Statue auf
dem Kai, ließ ich davon ab. Bei der Enthüllung wollte
ich dabei sein.
Die Erwartungsvolle Zuschauer saßen in Scharen in dem
schönen Wetter auf dem Terje Vigen Kai, unter Anderen
Toril und Leif Hamsun die beide nach Grimstad gekommen
waren. Trond Audun Berg von der Zeitung Adressetidende
erzählte, dass es jetzt 100 Jahren her ist, seitdem der
Terje Vigen Bauta auf Fjære Friedhof enthüllt worden
war und kam in seiner Ansprache auf die Diskussion ein,
ob denn Terje Vigen wirklich gelebt hatte. Inzwischen
sind Beweise da die belegen, dass er tatsächlich gelebt
hat. Erwartungsvoll sahen wir die verhüllte Skulptur an,
die dann von Ibsens Urenkel, der Schauspieler Joen Bille
aus Kopenhagen enthüllt wurde und wir sahen Nina Sundbys
wunderschöne Skulptur auf seinem Platz auf der Terje
Vigen Kai. Genau so habe ich mich immer vorgestellt, dass
er aussehen musste. Kommt auf meine Fotos leider nur
Teilweise zur Geltung.
Enthüllung der Terje Vigen Skulptur
Nach alle diese Erlebnisse meldete sich der Hunger, um
20 Uhr lud der Restaurant Apotekergården zu ihrem
bekannten Fischsuppe ein. Zuerst saßen wir auf der
Terrasse mit Sonnenschirmen, aber da es zu regnen begann,
mußten wir alle in den Innenhof umziehen, wo wir von
einem Sonnendach geschützt waren.
Es war sehr gemütlich, wir plauderten und tranken Wein
aber der Fischsuppe!!! Der lies auch sich warten bis
21.40, aber gut war er.

Ann Christine und Leif Hamsun Toril und
Marianne Hamsun "Erotik und Liebe"
Glücklicherweise hatte der Regen aufgehört und wir
konnten uns die einige 100 Meter zur Kirkeheia bewegen,
wo um 22.30 Uhr ein spezielles und stimmungsvolles
Erlebnis geboten wurde: "Erotik und Liebe. Knut
Hamsun in Versen und Prosa". Anneke von der Lippe
und Sven Nordin trugen Texte aus Pan, Victoria und Wilder
Chor vor, alles von Stian Carstensen auf Harmonika
umrahmt. Im Licht einzelne Scheinwerfer und brennenden
Fackeln um der Bühne herum, wurden wir in einer
verzauberte Stimmung geführt, durch Hamsuns Texte und
zusammen genäht von Nils-Magne Knutsen. Wir waren alle
entzückt als wir zur Hotel zurück fuhren und es wurde
spät bevor die Gespräche endeten.
Verzeihung Ibsen - aber wieder war auf dem Programm
etwas, worauf ich mich besonderes gefreut hatte: Ein
Treffen mit einige der Bediensteten auf Nørholm. Aber
zuerst ging ich durch die Ausstellung, unglaublich
interessant und sehr gut präsentiert. Hier konnte man
über Hamsun als Arbeitgeber lesen, Maries Kleid
bewundern zusammen mit Hamsuns Spazierstock, Hamsuns
Briefkasten - nein nicht die berühmte in Grimstad
sondern den der auf Nørholm saß, Hamsuns Grammophon,
eine sehr gelungene Ausstellung!

Volles Gartenbaumuseum während das
Treffen mit ehemaligen Hamsun Bediensteten
Voll besetzt war wieder das Gartenbaumuseum, ja mehr
als voll besetzt, noch mehr Stühle mussten geholt werden
und welcher Stimmung war da. Ich kostete nicht den
"Stampegraut", ein Gericht das Hamsun sich
wünschte aber laut die Angestellten in der Küche auf
Nørholm wurde es wohl nur Einmal serviert. Und was es
ist? Eine Art Kartoffelbrei mit Mehl und Butter.

Von der Ausstellung im
Gartenbaumuseum, Dømmesmoen
Als i-Tüpfelchen einiger schönen und interessanten
Tagen kamen Toril und Leif Hamsun zusammen mit Knut
Møretrø auf eine Exkursion zu "Hamsuns
Höhle", die Møretrø vor
kurzem "entdeckt" hatte. Am ersten August
berichtete die Zeitung Grimstad Adressetidende über den
Fund und zeigte Fotos von Knut Møretrø in der Höhle.
In seinem Buch "Auf Überwachsenen Pfaden"
beschreibt Knut Hamsun eine Höhle, die er gefunden hat
auf seine Wanderungen vom Altenheim in Landvik und
nordwärts entlang der Skiftenesveien. Knut Møretrø
erzählte, dass er seit langem nach dieser Höhle gesucht
hatte und das alles aus dem Buch hier stimmen. Man wirft
immer noch Abfälle den Hang hinunter wie Hamsun es
beschrieb. Erwartungsvoll stiegen wir den Hang hinunter
und dachten an Hamsuns Geschichte, jetzt war es nicht
Knut Hamsun der Schutz in der Höhle fand sondern sein
Enkel Leif Hamsun, der es ganz speziell empfand dort zu
sitzen. Karin Engh von Adresseavisen war auch dabei und
fotografierte Leif in der Höhle und ich zögerte auch
nicht und hielt das historische Augenblick mit meiner
kleine Kamera fest. Ja, es gibt immer neue
Überraschungen auf den Spuren von Hamsun - auch die, die
nicht im Programm stehen!

Leif Hamsun in
der Höhle seines Großvaters
Und dann gab es alle die
Veranstaltungen, die ich gerne beigewohnt hatte aber wozu
die Zeit einfach nicht reichte:
- Der Bergmann. Lesung und Führung mit
Jens Olai Justvik und Jon Fløistad durch den Gruben in
Lerestveit.
- Auf überwachsenen Pfaden. Geführte
Wanderung über Mølleheia.
- 4 Ibsen-Biographen. Ein Tiefblick ins
Leben der Dichter. Mit Ivo de Figueiredo, Astrid Sæther,
Erik H. Edvardsen, Joen Bille und Oddbjørn Johannessen.
- Terje Vigen auf Kvaløya mit Sven
Nordin.
- Ibsen-Erlebnisse. Mit Gisken Armand
und Joen Bille, Musik Stian Carstensen, auf der
Kirkeheia.
- Terje Vigen. Victor Sjöströms
Stummfilm von 1916 mit Live Musik von und mit Ketil
Bjørnstadt.
Wirklich ein Füllhorn von Erlebnisse!
Alles hat ein Ende, nach noch einem Tag bei Marianne
Hamsun wurde "Nagel" beladen und ich setzte
Kurs gegen Kristiansand und der Fähre nach Hirtshals.
Selten habe ich so viele Menschen und Autos gesehen, die
Fähre wurde so eng beladen, dass man nicht ins Auto kam
bevor die Reihe nebenan ausgefahren war. Und ob es eine
Seefahrt war - die Fähre schaukelte, viele wurden
seekrank, ein Erlebnis dass ich glücklicherweise noch
vor mir hat!
Nach ein Paar Tage bei meine Familie in Dänemark ging es
südwärts, wo ich in ein Gemisch von Sonne und Regen
nach Karlsruhe kam, ein wundervoller Urlaub war zu Ende
und nach 4 Wochen konnte ich meine Koffer auspacken. Das
Bewusstsein über die Größe der Beiden Ibsen und Hamsun
und deren Bedeutung für unzählige Menschen heute ist
nur größer geworden. Herzlichen Dank an Allen.
Kirsten Hedvig Rasmussen.
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