Ibsen und Hamsun-Tage in Grimstad 13. - 16. August. "In Vergleich mit Bjørnsons sind zum Beispiel Ibsens Gedichte einfache mechanische Büroarbeit. Ibsens Verse lebt ins Besondere davon, dass Reim auf Reim mit einem Knall treffen; die meisten seiner Schauspiele sind dramatisierter Holzmasse" . Mysterien. Immer mit den Erinnerungen aus Hamarøy vor Augen, fuhr ich gen Grimstad. Ein Blick in den Garten von Nørholm, wo die Hamsun-Büste mich grüßte, spannte die Erwartungen noch höher. Es ist eine gute Tradition, dass die 2 Giganten der norwegischen Dichterwelt sich hier treffen, in dieser spannende Veranstaltung. Sitzen vielleicht die Zwei auf je ihre Wolke und einigt sich, ja es gibt Platz für uns Beide? Wieder laden die Ibseniana und die Hamsun-Gesellschaft in Grimstad zu einem reichhaltigen und spannenden Programm ein - in diesem Jahr mit Schwerpunkt Hamsun, anläßlich seines 150. Jubiläum. Die Hamsun-Familie war von Leif Hamsun, seinen beiden Schwestern Ingeborg Hamsun und Anne Marie Thurmann-Moe und ihr Mann Jan repräsentiert. Nachdem ich in Grimstad Hotel eingecheckt hatte, machte ich einen Spaziergang durch die Stadt um die Stimmung zu spüren. Das Wetter war abwechselnd Sonne und ein bißchen Regen. Mehrere guten Freunde waren auch angekommen. Es ist einer der Höhepunkte: sich wieder treffen und die Begeisterung über Hamsun, ja auch über Ibsen, mit einander zu teilen. Theaterchef Ingrid Forthun vom Agder
Theater eröffnete die Ibsen und Hamsun-Tage im
Kulturhaus und dann bekamen wir (ich zum zweiten Male)
"Hunger" wie zur Eröffnung des
Hamsun-Zentrums. Ein ausgesprochen schwarzes,
unheimliches und morbid faszinierendes Puppentheater, wo
die zwei Puppenführer eigentlich die ganze Zeit auf der
Bühne zu sehen waren, aber wo man trotzdem nur die
Puppen wahr nahm. Ich hätte nie geglaubt, das man Hunger
als Theater aufführen konnte, aber Licht, Geräusche und
vor Allem die Choreographie und die exakt präzise
Bewegungen der Puppenführer vermittelten Hunger/hungern
fast physisch. Spitze! Nachher trafen sich einige von uns und diskutierten über Essen und Getränke im Hotel, die beste Methode Gedanken und Ansichten zu teilen. Alles im Programm konnte ich natürlich
nicht mit bekommen, hier nur erwähnt: Hamsuns Pfade,
Wanderung; Führung durch das Ibsen-Museum; durch den
Schärengarten mit "Solrik"; auf zwei Rädern
mit Ibsen und Hamsun, Fahrradtour.
Jedes Mal, wenn ich zu Veranstaltungen im Apothekergarten komme, werde ich von gelben Licht überwältigt, egal bei welchem Wetter. Ein hervorragender Ort ein literarisches Café abzuhalten. Es wurde ein sehr spannendes Gespräch zwischen Knut Faldbakken und Jon Selås. Erst als ich Hamsun gelesen hatte, verstand ich was Literatur war, erzählte Knut Faldbakken, Hamsun schwebt wie ein Schatten über alle, die in norwegischer Sprache schreibt, er ist so verdammt gut, bekamen wir zu hören. Im Gespräch erwähnte Faldbakken auch die negative Reaktionen, die er 1985 nach erscheinen seines Romans "Glahn", eine moderne Ausgabe von Hamsuns Pan, bekam. Es wurde eine sehr interessante und kurzweilige Stunde, ein schöner Anfang des Tages.
Astrid Sæther vom Zentrum für Ibsen Studien, erzählte lebhaft und spannend über Knut Hamsun und Sigrid Undset. Zwei Nobelpreisträger und Gegenpole. In 1936 erschien Undsets "Den trofaste hustru" und Hamsuns "Ringen sluttet". Beide Romane zeichnet sich durch Gesellschaftskritik aus. Als große Realisten beschrieben beide eine Zeit geprägt von Krisen in vielen Ebenen. Beide Autoren stellen die selbe Diagnose aus: Die Menschen sind zu beschäftigt und ohne Wurzel. Eigentlich hätte ich nie die Übereinstimmungen der beiden sehr unterschiedlichen Autoren gesehen, aber man wird jedes Mal ein bißchen weiser. Henning Howlid Wærp referierte über die Wanderer-Motive in "Auf überwachsenen Pfaden", beim Zuhören folgte ich in Gedanken die bekannten Orte in Grimstad, Nørholm, Grimstad Krankenhaus und Landvik Pflegeheim. Es ist immer ein Vergnügen Hennings klugen Wörter zu lauschen. Kann man eine Pause besser nutzen, als Knut Hamsun auf Knut Hamsuns Platz zu besuchen? Sigrid Combüchen, Leif Hamsun und ich waren da völlig einverstanden. Aber jetzt zu etwas völlig andres, die Eröffnung von Victoria Fuhrs Kunstausstellung im Sorenskrivergården. Sie nannte die Ausstellung "Wo Spuren und Pfaden sich kreuzen" und man sieht sofort in den Bildern, dass sie ihre Inspiration von der Botanik her hat. Während wir ein Glas Fuhr-Wein genossen und die Bilder studierten, wurden wir von ein Paar jungen Musikern und einer Sängerin unterhalten mit Texten aus den "Wilden Chor" Ein inspirierende und anziehende Stunde.
Erstes Erlebnis des Abends war die Vorstellung "Sklaven der Liebe" im Rathaussaal. Der Schauspieler Jan Hårstad und der Cellist Aage Kvalbein spielten einige von Hamsuns Novellen, neben "Sklaven der Liebe" u.A. "Der Eroberer" und die "Fliege". Ein wunderschönes Erlebnis: der Meister des Wortes Hamsun, der gekonnte Vermittler Hårstad und der melodiöse Cellist Kvalbein. Der Abend endete mit dem Konzertprogramm "Fieber" in Grimstad Kirche. Der Schauspieler Bjørn Skagestad und der Komponist und Musiker Arild Andersen hatten ein hervorragendes Programm aus der Sammlung "Wilder Chor" zusammen gestellt, ein schönes und intensives Erlebnis. Einigen von uns ließen den Tag ausklingen mit einem Drink und Gespräche im Hotel. Draußen regnete es schon, kein gutes Omen für Terje Vigen und den Konzert auf Kvaløya Morgen. Der nächste Tag fing mit einer ganz
speziellen Rede im Grimstad Rathaus an, die Rede Hamsuns
beim Nobel-Diner in Stockholm, gelesen von Jan Hårstad: Und draußen fing es erst Recht an zu regnen. Höchster Gefahr für Terje Vigen und das Konzert! Wir drückten die Daumen und setzten uns ins Rathaussaal um den Vortrag "Hamsun aus meiner Sicht" zu hören. Britt Andersen vom NTNU nahm uns mit auf einer Wanderung in Hamsuns Werke. Sie hat auch ein Buch zu diesem Thema fast fertig, auf den freue ich mich besonderes. Britts Sicht auf Hamsun ist sehr spannend. Die schwedische Autorin und Journalistin Sigrid Combüchen hat eine einfühlsame Biographie über Hamsun geschrieben, "Livsklättraren". Sie erzählte lebhaft und interessant über Hamsun. Per Olav Reinton, Journalist beim Norwegischen Radio und Fernsehen NRK, nahm sich das gleichermaßen interessante und schwierige Thema an, wie verhält man sich zu den literarischen und den politischen Hamsun. Ein ausgesprochen lehrreicher und guter Vortrag.
Jetzt war die Zeit gekommen, für Viele
das Höhepunkt des Jahres, die Tour nach Kvaløya mit dem
Konzert und schwedische Samuel Fröler sollte Terje Vigen
vortragen. Leider leider, es regnete, es nicht nur
regnete, es schüttete wie aus Kübeln. Die Organisatoren
waren schnell beschäftigt, Lillebjørn Nielsen und sein
Bassist Terje Venaas wollten ihre Instrumente nicht nass
haben, wofür alle Verständnis hatten. Schnell wurde
umdisponiert und alles in den Apothekergarten auf die
goldene überdachte Terrasse eingerichtet. - Wir haben
etwas, Wetter genannt, hier im Lande, schmunzelte
Lillebjørn Nielsen bevor er und der Bassist Terje Venaas
uns mit bekannten und neuen Liedern unterhielten. Der
Apothekergarten war dermaßen voll, aber es gab ja nur
einen Bruchteil an Platz in Vergleich zu Kvaløya. Ola
Veigaard dankte alle für die schnelle Umstellung und
bedauerte die Damen, die jetzt auf Kvaløya standen mit
80 Liter Waffelteig! Das war echt Schade, aber über das
Wetter bestimmen wir nicht. So mit dem Regen donnernd
aufs Dach als Begleitung bekamen wir ein tolles Konzert
und nachher ließ der schwedische Schauspieler Samuel
Fröler "Terje Vigen" mit so viel Hingabe, dass
wir nicht Wahr nahmen, dass wir auf eine Terrasse und
nicht am Meer saßen. Knut Møretrø hatte in 2006 eine Höhle entdeckt, genau wie Hamsun es in "Auf überwachsenen Pfaden" beschreibt. Auf Initiative von Landvik Historielag wurde die Höhle von Leif Hamsun eröffnet. Schilder mit "Knut Hamsuns sti" sind aufgestellt worden und zeigen den Weg zur Höhle. "Für mich ist es zugleich ergreifend und großartig, es ist eine große Ehre diesen Gedenktafel enthüllen zu dürfen", sagte Leif Hamsun und erzählte aus seinen Erlebnissen auf Nørholm. Viele Menschen waren gekommen um an die Stunde Teil zu haben. Farbe im Spiel brachten die fröhlichen Radfahrer, die auf ihre Tour "auf Ibsens und Hamsuns Pfaden", hier einen Rast einlegten. "Es gab Bäume und Steine, die ich wieder erkannte, und ich nahm ein freundliches Säuseln um mir wahr, obwohl ich taub war und es nicht mehr hören konnte." Auf überwachsenen Pfaden.
Ich musste nun den Kurs Richtung Fähre und nach Hause setzen. Ein großes und herzliches Danke Schön an Grimstad für ein tolles Programm, es ist immer eine Freude hier Teil zu nehmen. Ola Veigaard und sein Team und Ibseniana gebühren wieder viel viel Lob für ein außergewöhnliches und großartiges Programm. |
||
| © Kirsten Hedvig Rasmussen | www.hamsun.at | |