Cho Oyu 8201m.
-
april-mai 1996 -
Wenn man
ein mal bergsteigen in Himalaya gemacht hat, ist
man geliefert. Die grösse der Bergen und die
Gefühle in ein solcher Epedition Teil zu haben
ist einmalig. Man findet diese Stimmung sonst
nirgends.
Nach meiner
Mt.Everest Expedition in 1994 sagt ich: "NIE
MEHR!". Diese Aussage hielt genau 1 Monat,
dann zogen die Bergen mehr als die Strapazen
abschreckten. Es gelang mir dann in ein
Expedition nach Cho Oyu im Frühling 1996 Teil zu
nehmen
Geographie
Cho Oyu ist
ein teil der Himalaya Kette, die mit u.A.
Karakorum, Tien Shan und Pamir in einem breiten
Band Asien deckt vom West nach Ost. Cho Oyu liegt
30 Kilometer westlich des Mt.Everest auf der
grenze zwischen Nepal und Tibet und kann von
beiden Ländern bestiegen werden. In beiden
Fällen fliegt man zuerst nach Kathmandu,
Hauptstadt Nepals, wovon man weiterfährt
entweder nach Khumbu und das südliche Basislager
des Cho Oyu oder man fährt zur tibetische Grenze
und durch Tibet zum nördlichem Basislager. Das
nördliches Basislager erreicht man auch mit Flug
von Kathmandu nach Lhasa, Distriktshauptstadt
Tibets, und dann mit Auto zum Basislager - man
lässt dann andere sich um den Transport der
ganzen Ausrüstung von Kathmandu.
Hier sind
einige Karten: Cho Oyu
Der Berg:
Cho Oyu ist
der 6. höchster Berg der Welt und 8291 meter
hoch. Mt.Everest, der höchter Berg is nur etwa
600 meter höher.
Die
poetische Name Cho Oyus is Göttin des Türkis.
Er wurde zum ersten Mal 1954 von einer
österreichische Expedition mit Herbert Tichy,
Sepp Jöchler und Pasang Dawa Lama bestiegen. In
1952 hatte die briten mit Edmund Hillary Cho Oyu
als training für die Mt.Everest Expedition im
folgenden Jahr benuzt - doch ohne den Gipfel zu
erreichen.
Cho Oyu ist
früher nicht so oft bestiegen worden, aber in
den 1990iger Jahren wurde er
"wiederentdeckt" und ist jetzt einer
der beliebtesten 8000er. Er wird als einer der
"leichteren" 8000er eingestuft - alles
ist relativ: Kein 8000er ist einfach. Es gibt
mindestens 4 verschiedene Routen. Wir bekamen ein
Permit (Genehmigung) für die
"Normalroute" auf der Tibetische
Nordseite.
Das Team:
| Herman
Kiendler |
A |
|
|
| Maria
del Refugio Morales Campos |
Mex |
|
|
| Hans
Delorenzo |
A |
|
|
| Maria
del Carmen Pena |
Mex |
|
|
| Horst
Kaluza |
D |
Expeditionsleiter |
|
| Juris
Osis |
Lat |
|
|
| Rolands
Laveikis |
Lat |
|
|
| Valdis
Sakars |
Lat |
|
|
| Janis
Ventins |
Lat |
|
|
| Alvars
Valentins Rutkis |
Lat |
|
|
| Uldis
Zorgenfreis |
Lat |
|
|
| Rudolf
Widerhofer |
A |
|
|
| Gert Rasmussen |
Dk |
|
|
| Jorge
Hermosillo |
Mex |
|
|
| Tenzing
Sherpa |
Nepal |
Sirdar |
|
| Chokleg
|
Nepal |
Hochträger |
|
| Zhambu |
Nepal |
Hochträger |
|
| Buma |
Nepal |
Koch |
|
| Nima
Sherpa |
Nepal |
Küchengehilfe |
|
Die Route:
Das
Basislager liegt in 4800 meter höhe. Bis hierher
wird die Ausrüstung auf LKW gebracht. Dann
werden Yaks beladen, die alles 25 Kilometer mit
einem Zwischenlager tragen bis vorgeschobenem
Basislager (ABC) in 5400 meter. Von hier aus
müssen die Sherpas und wir selber tragen um die
Höhenlager einzurichten. Lager 1 wird über den
berüchtigten "Killerhang" in 6400
meter gelegt, Lager 2 auf einem kleinem Plateau
in 7000 meter und Lager 3 auf einem Absatz in
7600 meter höhe. Fixe Seile werden an technisch
schwierigen Passagen angebracht - auf einem 80
meter hohen Eiswand und einer 50° Schneehang
zwischen den Lagern 1 und 2, sowie über Lager 1
und einem Felswand zwischen Lager 3 und dem
Gipfel.
Der Verlauf:
06.april
1996: Es ist wirklich sehr schön wieder in
Kathmandu zu landen. Obwohl die Stadt nach meinem
Besuch bei der Mt.Everest Expedition in 1994 noch
lauter und mehr verschmuzt geworden ist, ist es
fascinierend: Die Verbindung von Mystizismus,
Hinduismus und andere -ismen einerseits und ein
Land in Entwicklung andereseits. Aber wie üblich
gab es vielerlei Expeditionsvorbereitungen, so
das Tourismusprogramm wurde kurz.
Der
Transport zum Basislager verlief fast gleich wie
bei der Mt.Everest Expedition. Es gibt nur diese
Methode. Zuerst nach die Grenzstadt Kodari und
erste Übernachtung. Seit letztes mal war im
Unterkunft elektrisches Licht und
Vorhängeschlösser installiert worden. Das erste
ist sicher Fortschritt aber die Schlösser? Der
Tag danach nach Zhangmu auf die chinesische Seite
und deliziöses chinesisches Essen. Unglaublich
wie viel Bedeutung Essen auf einer Expedition
bekommt wo alles andere ist Kälte, kein Schlaf,
Schufterei, Erschöpfung. Übernachtung in Nyalam
im Gebäude der Gewerkschaft der
Kraftwerksarbeiter. Man hatte uns die Heizöfen
eingeschaltet. Herrlich, denn an die Kälte merkt
man schon dass Nyalam in 3800 meter höhe liegt.
Abendessen in unsere chinesisches
"Stammlokal". Dann 3 Tage
akklimatisieren mit Klettertouren in die Umgebung
um uns an die Höhe zu gewöhnen. Zum Schluss ein
langer Fahrt zum Cho Oyu Basislager. Eine sehr
schöne Fahrt über den Pass Lalung La (5050
meter) mit Ausblick auf Shisha Pangma, der
kleinste 8000er. Die Strasse war erst vor eine
Woche geöffnet worden, so wir sind durch
Tunnelle von Schnee gefahren - und selbst unser
all-rad getriebene Toyota war festgefahren, aber
wir kamen durch.
Im
Basislager war es sehr kalt und stürmisch (wir
sind jetzt in 4800 meter höhe), aber deshalb war
nie so schnell abgeladen und Zelte aufgebaut
worden. Hier haben wir uns nochmals 3 Tage
akklimatisiert mit Touren in der Umgebung bevor
wir weiter zogen gen vorgeschobenem Basislager.
Wir hatten nur 56 Yaks zu Verfügung, so die
Ausrüstung musste in 2 Schickten transportiert
werden. Es wurde ein sehr anstrengender Transport
wegen dem Abstand und dem Wetter. Wir schaften es
auch nicht die Yaks zum Lager der Erstbesteiger
von 1954 zu bewegen. Die Yaks sank im Schnee ein.
Das war sehr bedauerlich, weil wir mehr Abstand
und mehr Höhenmeter überwinden musste auf den
weiteren Weg, wo die Sherpas und wir selber
tragen mussten. Auch bedauerlich weil wir ja
mehrmals auf und runter mussten um die
Ausrüstung hoch zu tragen.
Höhenlager
1 wurde in 6400 meter auf einem Grat über dem
Killerhang gelegt. Dieser "amüsanter"
Name passt wirklich: Dieser Hang erklimmt man
indem man 1 Schritt vorwärts geht und 2 Schritte
zurück rutcht. Das Lager hatte ein wunderbarer
Aussicht. Hier sah ich zum ersten Mal Heliotrop,
ein atmosphärisches Fänomen wo man 3 Sonnen in
einem Zirkel sehen kann. Nachts war öfters
elektrische Entladungen die an Polarlicht
erinnerten. Überhaupt sind die Nächte in diesen
Höhen phantastisch. Das erlebe ich auf alle
meine Expeditionen.
Sehr
anstrengend war es die Ausrüstung zum Lager 2 zu
tragen. Hierher musste ja auch die Ausrüstung
für das spätere Lager 3. Am steilsten war ein
blanker Eiswand. Hier muss man Disciplin
aufbringen um jedes Mal die Zacken der Steigeisen
ganz im Eis zu treten, so dass das Gewicht von
dich selbst und den Last sicher getragen werden
konnte. Nach dem Wand kam ein kleines Plateau zum
"relaxen", dann noch ein Hang und zum
letzt ein spaltenreiches Teilstück, aber wir
fanden Platz für unser Zelt in etwa 7000 meter
höhe.
Die Route
gen Lager 3 ist ein langer Hang. 20 Schritte
gehen, stehend Pusten, 20 Schritte gehen, sitzend
Pusten. Man muss wirklich Schritte zählen,
sonnst kommt man nicht voran. Voran kamen wir
doch ins 7600 meter mit unserem kleinem aber
sturmsicherem Zelt. Als das Zelt stand habe ich
gedacht: Jetzt schaffst Du es!
Nun,
bekanntlich darf man ja Nemesis nicht in
Versuchung bringen. Während des Nachts bekam ich
immer mehr Magenschmerzen. Trotzdem fingen wir
(Valdis, Horst und ich) um Mitternacht an Eis zu
schmelzen für unser Tee und um 2 Uhr starteten
wir richtung Gipfel. Es klappte gar nicht! Valdis
war ausgelaugt vom Vortag, Horst fing an
Erfrierungen an den Fingern zu kriegen -
Handschuhwechsel auf einem Hang mitten in der
Nacht im Schneesturm ist nicht das Einfachste.
Meine Magenschmerzen wurden immer schlimmer und
als ich meine Stirnlampe verlor, es den Hang
runter gleiten sah bis es in einer Spalte
verschwand, dann nahm ich es als ein Zeichen und
kehrte in 8000 meter höhe um. Valdis war schon
umgekehrt und Horst machte auch schluss.
Dann folgte
5 Tage (Tor)Tour runter zum Basislager. Ständige
Magenschmerzen, Schneesturm und vorbei passieren
an Menschen, die erfroren sind, lässt die
Phatasie freien lauf - aber wenn es wirklich
darauf ankommt, dann kann man Resourcen
mobilisieren die man nicht wusste zu besitzen.
Wir haben alle mit Ausrüstung und alle Abfälle
das Basislager und die dort wartende Jeeps und
LKW erreicht.
Wieder zuhause:
Sportlich
gemessen war die Expedition ein voller Erfolg: 5
von 14 Teilnehmer hatten den Gipfel erreicht, zum
Teil direkt von Lager 2 via eine alternative
Route. Wir sind alle zurück mit nur kleineren
WehWehchen. Janis musste mit Höhenkrankheit
während der Expedition nach Kathmandu gefahren
werden, ist aber schnell gesund geworden. Horst
bekam Erfrierungen in den Füßen und musste den
ganzen Sommer mit schwarzen Füßen herumlaufen,
die doch wieder heilten. Meine Magenprobleme
verschwand nach dem Heimkehr nach Deutschland.
Andere Expeditionen am Berg waren nicht so
glücklich.
Natürlich
ist es Schade aufgeben zu müssen nur 200 meter
unter dem Gipfel nach 1 Jahr vorbereitungen und 5
Wochen Strapazen am Berg. So nah und doch nicht!
Hier muss man verantwortlich reagieren und
erkennen können, das die Grenze erreicht ist.
Das Wichtigste ist IMMER wieder heil runter zu
kommen und nicht das eigene Leben oder der Andere
auf Spiel zu setzen. Der Berg ist wahrscheinlich
auch noch da im nächsten Jahr!
Den Gipfel
zu erreichen wäre ja auch nur das i-Tüpfelchen.
So viele Erlebnisse gab es worüber man sich
freuen kann: Die unglaubliche Schönheit von
Berge im Schnee, die Sterne die am hellsten in
den Höhen funkeln, in einer "richtige"
Expedition Teil zu nehmen, den Kumpels von der
Mt.Everest Expedition weider zu sehen, das
chinesische Essen (wieder Essen!), der
nächtliche Fahrt durch kleine nepalesischen
Dörfern das Wiederentdecken von Düfte, Farben
und Wärme nach 5 Wochen auf den Gletscher.
Schließlich: 8000 meter Höhe zu erreichen ist
ein Privileg, der nicht alle vergönnt wird.
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