Mt.Everest 8848m.
-
april-juni 1994 -
Mein bisher
ambitionierstes bergsteigerisches Projekt war der
Versuch Mt. Everest zu besteigen im Fruhjahr
1994. Folgende Ziele waren bezweckt:
als
erster Expedition den Versuch zu
unternehmen die Messner Route auf der
Nordseite des Mt.Everest zu Wiederholen,
die nur Reinhold Messner selbst bis dahin
geklettert hatte
es
ohne künstlichen Sauerstoff zu machen
Dass war
wohl ein bisschen zu viel des Guten wie die Zeit
auch zeigten. Aber eins nach dem anderen. Ein
seriöses Bericht:
Geographie:
Mt.Everest
ist ein teil der Himalaya Kette, die mit u.A.
Karakorum, Tien Shan und Pamir in einem breiten
Band Asien deckt vom West nach Ost. Mt.Everest
liegt auf der grenze zwischen Nepal und Tibet und
kann von beiden Ländern bestiegen werden. In
beiden Fällen fliegt man zuerst nach Kathmandu,
Hauptstadt Nepals, wovon man weiterfährt
entweder nach Khumbu und das südliche Basislager
des Mt.Everest oder man fährt zur tibetische
Grenze und durch Tibet zum nördlichem
Basislager. Das nördliches Basislager erreicht
man auch mit Flug von Kathmandu nach Lhasa,
Distriktshauptstadt Tibets, und dann mit Auto zum
Basislager - man lässt dann andere sich um den
Transport der ganzen Ausrüstung von Kathmandu.
Hier sind
einige Karten: Mt.Everest
Der Berg:
Mt.Everest
ist der höchte Berg der Welt und officiell 8848
m hoch. Neuere Satellitmessungen sagen 8850 m, es
ist in jedem Fall HOCH!
Mt.Everest
ist nach Sir George Everest, chef des britisches
Vermessungsamtes, das in den 1840'ger und -50'ger
Jahren Indien und Himalaya vermess. In Nepal wird
der Berg Sagarmatha und in Tibet Qomolungma
genannt
Viele
hauptsächlich britische Expeditionen haben zur
Erforschung und Kartographie des Mt.Everest
Gebietes beigetragen - oft unter abenteurliche
Bedingungen, ab und zu mit geschickter Diplomatie
oft unter ausgiebiger Waffenanvendung. Von der
Mitte des 19.Jahrjunderts führten die
Expeditionen aus britisch Indien durch Tibet weil
Nepal damals für Ausländer völlig Abgeschirmt
von Bergen und ohne jegliche Wegverbindung war
(als die nepalesischen Herscher deren ersten
Rolls Royces kauften, wurden die Auto zerlegt und
ins Land getragen, aber das ist eine andere
Geschichte.). Die Erforschungen erreichten ihren
Höhepunkt in 1924 mit Mallorys und Irvines
Versuch den Gipfel zu besteigen, deren
Verschwinden und die nachfolgende Diskussion ob
die den Gipfel erreichen oder nicht. Dokumentiert
ist nur die Tatsache, dass die britische
Expedition mit Ed Hillary und Tenzing Norgay in
1953 durch das jetzt geöffnete Nepal den Gipfel
über die Südseite erreichte. Seit damals sind
mehrere Routen eröffnet worden sowohl von der
Süd- als auch von der Nordseite.
Das Team:
| Heinz
Roggenbauer |
A |
|
|
| Gert
Rasmussen |
Dk |
|
|
| DeeDee
Bartley |
USA |
|
|
| Stan
Bartley |
USA |
|
|
| Mike
Down |
Can |
|
|
| Matt
MacEachern |
Can |
|
|
| Dagmar
Wabnig |
A |
Expeditionsarzt |
|
| Thomas
Rohrmoser |
A |
|
|
| Wolfgang
Rohrmoser |
A |
|
|
| Peter
Kowalzik |
D |
Expeditionsleiter |
|
| Mark
Jennings |
UK |
|
|
| Mingma
Sherpa |
Nepal |
Sirdar |
|
| Muzal
Tamang |
Nepal |
Hochträger |
|
| Ang
Kami Sherpa |
Nepal |
Hochträger |
|
| Birbal
Tamang |
Nepal |
Koch |
|
| Nima
Sherpa |
Nepal |
Küchengehilfe |
|
| Dirtha
Sherpa |
Nepal |
Küchengehilfe |
|
Die Route:
Der
"Normalweg" - wenn man überhaupt etwas
in dieser Grössenordnung Normal nennen kann -
verläuft auf der nepalesische Südseite. Er wird
als "einfachere" und
"sichere" eingestuft - alles ist
relativ! Deshalb wird er heute von die meisten
Bergsteiger benutzt.
Auf der
Nordseite gibt es mehrere interessante
Besteigungsmöglichkeiten. Mallory und Irvines
Route aus 1924 geht vom Ost-Rongbuk Gletscher,
über der Nordsattel, über dem Nordostkamm zur
Gipfel. Neue noch unbestiegene Möglichkeiten
gibt es auch. Im Frühling 1994 versuchte u.A.
die französische Bergsteigerin Chantal Mauduit
in einer Expedition unter der Leitung von Russel
Brice die Nordsattel zu umgehen und der Wand
direkt zur Nordostkamm zu erklimmen. Leider auch
ohne Erfolg.
Wir hatten
uns eine Besteigung vorgenommen, die nur Reinhold
Messner gelungen war: Vom Ost-Rongbuk Gletscher
zur Nordsattel, Richtung Kamm aber dann quer
über die Nordwestwand, die Great Couloir hoch,
über den Gelben Band hinaus zur Gipfelpyramide.
Wir sind Reinhold Messner sehr, sehr Dankbar für
seine freundliche Unterstützung und sehr
wertvollen Ratschlägen.
Der Verlauf:
03.april
1994: Was für ein Erlebnis. Wenn men in
Kathmandu landet bekommt man alles auf einem
Tablet serviert: lächlenden, freundlichen
Menschenmassen, Hitze, Düfte, Gewürze, Templen.
Besonderes wenn man nie zuvor in Asian war wird
man von dieser Atmosphäre bezaubert, als Kind
schon geimpft durch lesen von Kiplings indische
Erzählungen, Sven Hedins, Mannerings,
Younghusband and Noels abenteurliche Berichte von
Reisen im 19.- und anfang des 20. Jahrhunderts.
Trotz dringende Expeditionsforbereitungen und
-Einkäufe MUSS man raus und die Stadt erleben.
Vorbereitungen
gibt es legio: Die letzten bureaukratischen
Formalitäten, zusammenstellung von Einkäufe die
nur in Kathmandu zu erledigen sei, LKW beladen
mit die gesamte Ausrüstung und nicht zu
vergessen schreiben von Postkarten an Familie und
Freunden.
Die erste
Teil der Reise ging mit Bus (wir) und LKW (ins
gesamt 4 Ton Ausrüstung) von Kathmandu nach
Kodari, ein klener Ort an der Grenze zu Tibet.
Hier bekommt man zum ersten Mal dieses Eindruck,
wie die Bergriesen sich über uns lehnen, so das
man sie fast berühren kann. Ein Besuch an eine
Wasserkraftbetriebene (!) Gebetsmühle zeigt uns
wie praktisch Religionsausübung sein kann.
Nach einer Übernachtung haben wir die
Ausrüstung auf kleine shuttle LKWs umgeladen und
fuhren über die Freundschaftbrücke und den Hang
hoch zu Zhangmu, die chinesische Grenzstadt, wo
wir die Ausrüstung auf LKW und uns in Toyota
Landcruisers umlud. Etwas Zeit blieb auch für
Einkäufe in diese relativ wohlhabende Stadt, die
von Grenzhandel oder besser gesagt von der Export
nach Nepal lebt. Weiter geht's nach Nyalam..
Nyalam liegt schon in 3700m, so es ist eine
ziemliche Höhenunterschied vom Kathmandu Tal.
Wir übernachtete 3 Tage in Nyalam um uns zu
akklimatisieren. Jeder versuchte die Zeit nach
Kräften zu nutzen. Ich bestieg 2 Gipfeln, beide
gerade über 5000 Meter. Dann ging es weiter
über Lalung La (5050m), die höchste Passstrasse
die ich kenne, mit Übernachtung in Shegar und
weiter zur Mt.Everest Basislager.
Das
Basislager liegt in 5200 Meter Höhe im Rongbuk
Tal, so weit wie es überhaupt geht mit Auto.
Hier werden wir öfters zurück kommen um uns aus
zu ruhen, so hier errichteten wir Küchenzelt,
Messzelt, Lager und ein paar Schlafzelte. Nach
ein paar Tage Rast ging es weiter zu Fuss (wir)
und Yaks (die Ausrüstung) mit 3 Zwischenlager
über die Rongbuk Gletscher und Ost Rongbuk
Gletscher zum vorgeschobenen Basislager (ABC) in
6400 Meter Höhe. Wir hatten 100 Yaks zum
Transport von Ausrüstung.
Das
vorgeschobene Basislager ist der höchste Punkt,
der die Yaks erreichen können. Hier haben wir
unsere Zuhause für die folgenden Wochen
eingerichtet mit Küchenzelt, Messzelt,
Schlafzelte (je Person 1 Zelt so dass man allein
sein kann wenn man es braucht UND MAN BRAUCHT ES
wirklich ab und zu wegen Frust, Heimweh,
Übermüdung, Krankheit). Vom vorgeschobener
Lager muss alles zum Einrichten von den
Höhenlagern und zur Sicherung der technisch
schwierigen Passagen getragen werden. Wir mussten
deshalb mehrere male zwischen den Lagern klettern
um alles zu tragen. Man könnte sagen, der Berg
wurde mehrmals bestiegen. Nur von Höhenlager 3
aus hofften wir auf einen Versuch richtung
Gipfel. Und immer wieder mussten wir unter um uns
aus zu ruhen. Über eine gewisse Höhe ist es der
Körper nicht möglich zu regenerieren auch wenn
man schlafen und essen konnte (was auch in diesen
Höhen schwierig ist), man muss nach unten.
Erstes Ziel
war die Einrichtung des Höhenlager 1 auf dem
Nordsattel in 7070 meter (Amerikaner nennen
dieses Lager Lager 7, weil die alle Zwischenlager
mitzählen. Es klingt imponiernder!). Die Route
geht über dem Gletscher, hier kann es sehr heiß
werden da der Gletscher von 3 Seiten
windgeschützt sei. Man muss trotzdem die
wärmste Kleidung mitnehmen, denn wenn die Sonne
verschwindet ist es in dieser Höhe bitter kalt.
Die extra Kleider schränken leider unsere
Lastkapazität ein. Am Ende des Gletschers geht
es dann 500 meter senkrecht nach oben über ein
Eiswand. Über dieser Wand hängen Wächten, die
ab und zu runter kommen als Lawinen. Ein sehr
"amüsantes" Teilstück. Höhenlager 1
mussten wir 3 Mal neu einrichten nachdem
Schneestürme die Zelte zerfetzt hatten.
Vom
Höhenlager 1 ging es dann einen Hang aufwärts.
Von hier aus war ein herrlicher Aussicht (wenn
das Wetter es erlaubte) einerseits richtung dem
heiligen Berg Pumori anderseits über dem Rongbuk
Gletscher. Vom Hang ging es dann quer über die
Nordwestwand richtung Great Couloir. Auch hier
ein "amüsantes" Teilstück, immer
Steinschlag gefärdet weil Sonne und Eis ständig
Steine in der Wand freisprengt. Nach diesem
Travers und im Great Couloir fanden wir dann
Platz für Lager 2 - ein kleines Zelt.
Weiter nach
oben im Great Couloir ging es. Nach den Sturm
bedingten Pausen und wiederherstellung von Lagern
waren wir unter Zeitdruck geraten. Man weiß,
dass wenn der Monsun kommt MUSS man schon weg
sein, wenn man nicht zum Herbst blokiert bleiben
will. Die Wetterberichte sagten, dass der Monsun
sich vom Bengalischem Bucht über das indische
Subkontinent bewegte. Ein letzter Versuch nach
oben. Obwohl der letzte Sonnentag ein schönes
Klettererlebnis brachte - Mark sagte: Es ist wie
in einem Dom zu klettern - dann schafften wir es
nicht auf der Gipfelpyramide zu kommen. Unser
bester Kletterer Heinz musstein 8300 meter höhe
aufgeben.
Der Rest
ist Rückreise: Die Lager wurden abmontiert,
Abfälle wurden verbrannt oder verpackt und mit
den Yaks nach unten zur Basislager gebracht, auf
den LKW geladen und ab richtung Nepal. Ein
letzter Blick zurück: Mt.Everest ganz in Wolken
veschwunden. An der Grenze trafen wir die ersten
Regengüsse des näherenden Monsuns. In Kathmandu
besorgen alle sich, was man sich den letzten
Wochen so sehnlich geträumt hat (NEIN, nicht
Gesellschaft Menschen andere Geschlechts, aber
Dusche und "richtiges" Essen:
Hamburgers und Kuchen!).
Wieder Zuhause:
Alle waren
froh und erleichtert als es nach Hause ging. Die
letzten Wochen waren einfach zu hart und
anstrengend dass man sich ärgern konnte den
letzten hundert Metern nicht erreicht zu haben.
Der in schwarzen Wolken verhangener Mt.Everest
hat die Abschied leicht gemacht.
Unter den
gegebenen Umständen: Die Schwierigkeit der
Route, dass der Berg immerhin der höchste der
Welt ist, dass Schneestürme weniger Klettertage
als ein Durchschnittsjahr ergab, unsere Stärke
und Erfarung - ich denke wir haben das Meiste
daraus geholt was möglich war. Die Ernstigkeit
sieht man daraus, dass nur 1 Bergsteiger den
Gipfel erreichte während unser dortige
Aufenthalt und er hat es nicht wieder nach unten
geschafft. Unser wichtigstes Ziel, dass wir alle
wohlauf nach Hause kommen konnte, haben wir
erreicht. 7 Bergsteiger aus andere Expeditionen
blieben am Berg, andere kamen mit schwersten
Schaden nach Hause. Lasst uns anerkennen, dass
die das Privileg hatten - was auch heute nicht
selbstverständlich ist - ihr Leben dafür
einzusetzen zu können an etwas, was die für
wichtig in ihrem Leben empfanden und lasst das
Andenken uns animieren unsere Leben sorgfältig
zu gestalten.
Was bleibt
nach einem solchem Expedition? Es ist naturlich
individuell. In einem Team auf einer so extreme
Aufgabe sieht man wie unterschiedlich Menschen
sind, aber auch wie wichtig es ist
unterschiedlich zu sein und damit in der
Lage zu sein mit seinen jeweiligen Fähigkeiten
beitragen zu können dass die gemeinsame Aufgabe
Erfolg hat. Das hat natürlich auch Gültigkeit
in einer Gesellschaft wie unsere: Wir brauchen
unterschiedliche Menschen mit die
unterschiedlichsten Fähigkeiten
Was für ein Privileg in einer Zeit zu leben wo
"normale" Menschen Erlebnisse haben
können, die früher eine kleine Elite
vorbehalten waren. Das gibt Lebensfreude,
relativiert die alltägliche Ärger aber gibt
auch Verpflichtungen. Wenn wir eine solche
Gesellschaft haben wollen, müssen wir für das
Gemeinwohl arbeiten. Liberale Egoismen und
"ich für mich alleine" könnte diese
Gesellshaft schnell erstichen lassen (dann helfen
keine neu-liberale Modewörter auch nicht).
Was kann
man sagen, wenn man ein Ziel nicht ganz erreicht,
in den man so viel Energie investiert hat? Gandhi
hat gesagt dass der Weg ist das Ziel, und je mehr
Erlebnisse man bekommt je mehr findet man: Er hat
recht.
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