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Pik Lenin 7134m.
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juni-juli 1992 -
Meine erste
"richtige" Expedition! Nach Bergsteigen
in Norwegen, klettern auf Brücken in Dänemark,
alpine Kurse in der Schweiz und selbstständige
Besteigungen von 4000er in der Schweiz - mit
Anregungen durch Bücher über Bergsteigen und
Vorträge und Gespräche mit u.A. Reinhold
Messner und Hans Kammerlander - dann MUSS man
doch das Bedürfnis spüren selber es zu
probieren! Dank unser Mitgliedschaft im Schweizer
Alpenclub und unser Vereinsmagazin geling es mir
ein Platz zu bekommen in einer Expedition zu Pik
Lenin im Sommer 1992.
Geographie:
Pik Lenin
ist ein Teil des Pamir Gebirge, der mit Tien
Shan, Karakorum und Himalaya in einem breiten
Band Asien deckt vom West nach Ost. Pik Lenin auf
der Grenze zwischen Kirgistan und Tadjikistan,
zwei ehemalige Sovjetrepubliken. Man erreicht es
z.B. mit Flug über Moskva nach
Distriktshauptstadt Osch in Kirgistan. Dann gibt
es 10 Stunden fahrt mit LKW zuerst über
Hauptstrassen, dann Pfaden und dann durch die
Botanik zum Basislager Atschik Tasch, der auf
3800 meter höhe in einem wunderschönen Tal
liegt.
Hier sind
einige Karten: Pik Lenin
Der Berg:
Pik Lenin
ist 7134 meter hoch. Als Vergleich: Der höchste
Berg der Erde, Mount Everest, ist 8848 meter
hoch.
Wir
bestiegen den Berg als Teil des internationalen
Bergsteigerlager "Pamir 92". Dieses
Lager wurde mehrere Jahre vom Sovjetischem
Bergsteigervereinigung arrangiert, in 1992 in
zusammen arbeit zwischen den Russischen und
Kirgisischen Bergsteigerverbände. Das Basislager
liegt in einem Tal auf einer Wiese, die ende Juli
von ein Teppich weißer Edelweiß bedeckt wird
mit Aussicht nach Pik Lenin und mehrere 5000
meter hohe Gipfeln. Das Lager besteht aus ein
Holzgebäude mit Küche, Seminarraum und
Aufenthaltsraum, ein kleines Holzgebäude der als
BAR funktioniert, viele geräumige 3 Personen
Zelte und -LUXUS, LUXUS - ein Sauna mit
zugehöriger eiskalter See!
Das Team:
| Fiorenzo
Dado |
CH |
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| Andre
Demartin |
CH |
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| Jeanne-Marie
Demont |
CH |
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| Marcel
Demont |
CH |
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| Peter
Edwards |
UK |
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| Pierre-Yvan
Guichard |
CH |
Expeditionsleiter |
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| Eric
Isoz |
CH |
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| Martin
Luethi |
CH |
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| Maryse
Morel |
CH |
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| Jean-Luc
Passello |
CH |
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| Vassilij
Panassiuk |
Rus |
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| Gert Rasmussen |
Dk |
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| Daniel Schaerli |
CH |
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| Martin Streif |
CH |
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| Werner Wenger |
CH |
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Die Route:
Unsere
Route ging vom Basislager in 3800 meter den Tal
aufwärts, über den "Paß des
Staubes", runter und über einem Fluss,
gespeißt von Gletscherschmelze (Vorsicht um
nicht mitgerissen zu werden!), auf den Lenin
Gletscher bis zum vorgeschobenem Basislager (ABC)
in 4200 meter mitten auf dem Gletscher. Hier
errichteten wir das Lager mit Küchenzelt, Lager
und bequeme Schlafzelte, weil wir mehrmals
zurück kommen wurden um Material für die
Hochlager zu holen und um uns auszuruhen. Dann
ging es die Nordwand hoch bis ein kleines Plateau
unter den Nordgrat in 5200 meter und Hochlager 1.
Dann ziemlich senkrecht nach oben zum Hochlager 2
auf den Nordgrat in 5500 meter höhe. Über Pik
Razdelnij (6148 meter) - um es auch bestiegen zu
haben - oder später nur um den Schulter des Pik
Razdelnij zum Hochlager 3 auf der Scharte
zwischen Pik Razdelnij und Pik Lenin in 6000
meter höhe. Mehrmals zurück zum vorgeschobenen
Basislager um Ausrüstung hoch zu tragen und
wieder runter zum Ausruhen. Am Gipfeltag ein
langer, langer Marsch richtung Gipfel, immer von
Vorgipfel getäuscht, wo man denkt jetzt ist man
da.
Der Verlauf:
Von Zürich
aus ging es mit Flug (umsteigung in Moskva) nach
Osch in Kirgistan. Für mich war es erstes Mal in
einem moslemischen, orientalischen Land und alles
war wie aus TausendundeineNacht: Die Wärme,
lächende Menschen, Farben, Aktivität. Obwohl
wir am Morgen um 7 Uhr ankamen wurden wir schon
vor dem Flughafengebäude zum Tisch gebeten mit
Salate, frisches Gemüse, heißes Geflügel und
viel Obst. Es war natürlich viel zu viel Essen
so früh morgens, aber es wurde ein Symbol für
die Freude und Gastfreundlichkeit womit wir
überall in Kirgisien empfangen wurden.
Dann ging
es weiter mit Bus (wir), LKW (die Ausrüstung)
und Jeep (militäre Eskorte wegen drohender
Bürgerkrieg im Nachbarland Tadjikistan). Der
Jeep geleitete uns nur ein Paar Kilometer, alles
blieb ruhig. Nach einem Stop an einem
Gemüsemarkt (wieder viele freundliche und
gesprächige Leute - nie habe ich so viel
geplaudert wie auf dieser Expedition,
glücklicherweise spreche ich ein bisschen
russisch) machten wir ein 10 Stunden Fahrt,
zuerst auf geteerten Strassen, dann Pfade und
zuletztz über die Steppe zum Basislager.
Nach unsere
Einrichten im Basislager testete wir die
Ausrüstung und akklimatisierten uns beim
Besteigung des Pik Petrovskij (4829 meter). Alles
lief perfekt mit der Ausnahme, dass ein
Teammitglied runter musste mitten in der Nacht
mit Lungenödem. Wir, die den Gipfel erreichten
wurden mit einer phatastische Aussicht belohnt.
Selbst in Vergleich zu den Alpen ist alles hier
so GROSS. Wir bekamen auch ein überblick auf
unsere Route auf dem Pik Lenin.
Zurück ins
Basislager, ein Ruhetag und dann ging es los zu
Fuß (wir) und Hubschrauber (die Ausrüstung)
richtung vorgeschobener Basislager aud den
Leningletscher in 4200 meter höhe. Hier
richteten wir ein komfortables Lager ein mit 4
Personen Zelten und Küchen/Lagerzelt da wir
mehrmals zurück kamen um Ausrüstung zu holen
und auszuruhen. Im Gegensatz zu Himalaya, wo man
normalerweise Sherpas zur Hilfe beim tragen und
als Köche und Küchengehilfe haben, mussten wir
hier selber alles hochtragen und kochen. Es war
HART!
Die
Höhenlager 1, 2 und 3 wurden nach harter Arbeit
angelegt. Viele Touren auf und runter war
notwendig um Zelte, Gas, Kocher, Essen,
Schlafsäcke, Isoliermatten, Pickel,
Schneeschaufeln etc. hoch zu tragen. Platz für
Zelte musste aus dem Schnee oder Eis ausgegraben
werden. Und alles unter extreme
Wetterbedingungen: Wenn die Sonne schien und kein
Wind da war, wurde es heiß - ich wurde
verbrannt, wo ich vergessen hatte ein Stück Haut
zu schützen. Wenn die Sonne nicht schien hatten
wir Schneestürme. Wir waren 2 1/2 Tag in
Höhenlager 1 eingesperrt wegen Lawinen und
konnten weder nach oben oder nach unten klettern.
Wenn man nur in sein Zelt liegen kann und
lauschen wie die Lawinenabgänge zu Tal
donnerten, dann ist die Zeit LANG!
Nun, wir hatten unser Lager umsichtig plaziert,
so alles ging gut. Im Gegensatz war 1990 44
Menschen auf dem Lenin Massiv durch Lawinen
getötet und 1974 verlor die erste reine
Frauenexpedition 7 Bergsteigerinnen - mit Pik
Lenin ist nicht zu spassen.
Wunderschön ist es hingegen wenn man ein
Aufstieg anfängt mitten in der Nacht mit
Vollmondlicht, so dass man seine Stirnlampe
überhaupt nicht braucht, mit keine Geräusche
nur das Knirschen der hartgefrorene Schnee unter
den Stiefeln. Oder wenn man das Zelt verlässt in
eine stille Nacht ohen Mond oder Wolken nur
tausenden von Sternen und die Milchstrasse, die
ihr Band über das Firmament zieht. Schönheit
und Götterdämmerung liegen so nah an einander!
Von
Höhenlager 2 aus mussten wir Pik Razdelnij (6148
meter) überschreiten um sagen zu können da
waren wir auch. Sonnst verlief unsere Route über
den Schulter des Pik Razdelnij zum 6000 meter
hohen Sattel zwischen Pik Lenin und Pik
Razdelnij, wo Höhenlager 3 gelegt wurde. Ein
schmaler Grat mit Wächten, die die Kante
bedeckte mit 1800 meter senkrecht hinunter zum
Leningletscher, den Wind ausgesetzt aber die
einzig mögliche Stelle.
Am
Gipfeltag natürlich wieder Schneesturm, 2
unendlich langen Hänge, da zwischen ein Plateau
zu durchqueren und dann noch eine lange Schräge
richtung Gipfel, wo uns immer kleine
Felsvorsprünge täuschsten und wir glaubten den
Gipfel erreicht zu haben. Endlich war wirklich
kein höhere Punkt um uns herum, dann waren wir
da: in 7134 meter höhe! Die Gedenktafeln
besuchen, Fotos nehmen 360° rund als Beweiß,
wohl etwa 20 Minuten auf den Gipfel und dann
wieder runter weil eine Besteigung ist zuerst
geglückt wenn man heil unten ankommt. Nach 11
Stunden wieder zurück in Lager 3 und schlafen,
schlafen.
Die
nächsten Tage waren damit beschäftigt alle
Lager abzubauen mit ALLE Abfälle! Zurück zum
Basislager, zurück zu den russischen und
kirgisischen Freunden, zurück zum richtigem
Essen und frisch gebackenem Brot, zurück zur
Sauna mit Abkühlung im Gletschersee, zurück zu
Duft von Erde und eine Wiese jetzt ganz mit
weißen Edelweiß bedeckt. Paradis.
Nun, mann
sollte Nemesis nicht herausfordern, aber nach ein
Paar Tage Ruhe im Basislager entschlossen 2
Freunde und ich ein namenloser Berg in der Nähe
zu besteigen. Es hätte schief gehen können in
einem steilem Eiswand, aber mit ein bisschen
Geschick und etwas Glück geling es uns die
Besteigung dieses Berg, den wir mit 5050 meter
höhe vermessen konnten. Dann hätten wir auch
genug und blieben im Basislager!
Wieder zuhause:
Sportlich
gesehen wurde die Expedition ein totaler Erfolg:
12 von 16 Teilnehmer auf den Gipfel des Pik
Lenin, erste Expedition auf den Gipfel in diesem
Jahr, für mich auch Pik Petrovskij (4829m), Pik
Razdelnij (6148m) und namenloser(5050m)
bestiegen.
Abhängig
vom Berg, der eigene Lebensabschnitt, die eigene
Sensibilität dann erlebt jeder Einzlene das
Augenblick aud den Gipfel unterschiedlich. Einige
Kammeraden hatten vor Rührung geweint, andere
Triumphierten. Ich war so müde, dass ich mich an
kein besonderes Gefühl erinnern kann. Ich war
nur froh dass es wieder nach unten ging. Die
Freude kam erst im vorgeschobenem Basislager nach
Küsse und Glückwünche einer russische
Freundin, dann begriff ich: Du hast es geschaft!
Was nach
der Expedition geblieben ist sind 2 Dinge:
Zuerst die
Einsicht, dass um extreme Sitiationen zu meistern
MUSS man zusammenhalten, MUSS man sein bestes tun
und MUSS man zu gemeinsamen Ziel arbeiten. Man
erreicht nichts alleine, höchstens andere in
Gefahr zu bringen. Dieses müssen wir auch in der
Gesellshaft einsehen. Die Generation unsere
Kinder hat es sicher schon begriffen
Zum
anderen: Das zusammen sein mit den russischen und
kirgisischen Bergsteigern, die sofort Freunden
geworden waren wegen ihr Offenheit und ihre
fehlende Vorurteile. An Angela und Nasigül fur
unsere Zeit im Basislager und Entdeckung der
schönschen Orte in der Umgebung (so selbst Essen
vergessen wurde), an Elena für ständige
Ermunterungen und Wärme im Lager und auf dem
Berg, an Jaclin für Feste, Spaß, Ulk und
Champagner, an Chief Oleg und sein erster
Offizier Slava, an unsere liaison officer
Svetlana. Selbst bei minus 20°C wurde die
Expedition zu wärmstes Erlebnis meines Lebens.
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